Stellen Sie sich eine kleine Rösterei in einer Seitenstraße von Berlin vor. Die machen ehrlichen Kaffee, die Website ist so mittel, aber die Stammkunden lieben den Laden. Eines Tages setzt sich ein Influencer mit 200.000 Followern an den Tresen, erwischt ausgerechnet den einen schlechten Tag im Jahr, findet den Cappuccino „unterirdisch“ und schreibt eine Instagram-Story: „Worst Coffee in Town“. Binnen Stunden tauchen auf Google neue Ein-Stern-Bewertungen auf von Menschen, die nie dort waren, aber „gehört haben, wie schlimm es ist“. Die Stammkunden wundern sich, die Umsätze brechen ein – nicht weil der Kaffee schlechter geworden wäre, sondern weil der digitale Sturm über den Laden hinweggefegt ist.
Genau in diesem Spannungsfeld bewegen sich heute Marken, Unternehmen, Freiberufler – und zunehmend auch Ideen, Projekte und politische Akteure. Social Media hat die Spielregeln der Reputation radikal verändert. Die Frage ist nicht mehr, ob man „mitmacht“, sondern ob man versteht, was da eigentlich passiert.
Vom Pressesprecher zum permanenten Publikum
Nie zuvor in der Geschichte der Kommunikation hatten so viele Menschen so unmittelbaren Zugriff auf Öffentlichkeit. Global sind inzwischen mehr als fünf Milliarden Social-Media-Accounts aktiv – das entspricht gut 62 Prozent der Weltbevölkerung. In Europa nutzen rund 59 Prozent der Menschen soziale Netzwerke aktiv, in Nord- und Westeuropa liegt die Durchdringung bei über 80 Prozent. Für die Generation unter 35 ist Social Media kein Zusatzkanal, sondern der Standardweg, um Informationen, Meinungen und Empfehlungen zu konsumieren.
Damit verschiebt sich Macht. Früher kontrollierten Unternehmen ihre Außendarstellung vor allem über Pressearbeit, klassische Werbung und gelegentliche Krisenstatements. Heute findet Reputationsbildung in einem permanenten, unkontrollierbaren Gespräch statt. Jeder Post, jeder Kommentar, jede Bewertung ist eine kleine Stimmabgabe über den „Wert“ einer Marke. Der Like-Button ist zur winzigen Abstimmungsmaschine geworden, nur dass die Auszählung nie endet.
Maximilian Bausch, 29, Wirtschaftsingenieur und CEO von ABOWI Reputation, beobachtet genau diese Verschiebung in seiner täglichen Arbeit: Für seine Klienten ist nicht mehr entscheidend, was sie über sich selbst erzählen, sondern was andere über sie erzählen und wie Plattformen diese Erzählungen sortieren, verstärken oder verschwinden lassen.
Warum der Algorithmus Empörung liebt
Die eigentliche Revolution liegt nicht darin, dass viele Menschen öffentlich schreiben können – das konnten Blogs schon vor 20 Jahren –, sondern darin, wie Plattformen entscheiden, was sichtbar wird. Die großen Netzwerke arbeiten mit Engagement-basierten Ranking-Algorithmen. Sichtbar wird, was geklickt, geliked, kommentiert, geteilt wird.
Eine vielzitierte experimentelle Studie zu X (ehemals Twitter) zeigt, wie tiefgreifend das wirkt: Im Vergleich zu einer einfachen chronologischen Timeline verstärkt der Algorithmus emotional aufgeladenes, „out-group feindliches“ politisches Material, also Inhalte, die gegen eine andere Gruppe schießen, deutlich. Gleichzeitig berichten Nutzer, dass sie sich mit solchen Inhalten schlechter fühlen, als sie es mit neutraleren Inhalten tun würden.
Ein zweiter Forschungsstrang untersuchte, was Menschen eigentlich glauben, was viral geht. Das Ergebnis: Nutzer sind überzeugt, dass polarisierende, moralisch empörte, negative und hoch emotionalisierte Inhalte besonders gute Chancen haben, sich zu verbreiten, und zugleich sagen sie, dass sie genau das eigentlich nicht wollen. Social Media verstärkt damit eine Art Doppelmoral der Öffentlichkeit: Wir mögen Empörung nicht, aber wir reagieren darauf. Algorithmen sehen nur die Reaktion.
Für die Praxis bedeutet das: Ein nüchterner, sachlicher Beitrag über eine neue Produktlinie hat statistisch schlechtere Chancen auf Sichtbarkeit als ein kurzer, zugespitzter Tweet, der denselben Anbieter als „Umweltkatastrophe im Lieferscheinformat“ bezeichnet. Wenngleich der Tweet unfair ist, interessieren sich die Algorithmen nicht für Fairness, sondern für Signale der Aufmerksamkeit.

Shitstorms, Spillover und der Preis der Echtzeit
Dass diese Dynamik nicht nur Image, sondern echte Werte bewegt, zeigen mehrere Studien zu Reputationskrisen. Eine Untersuchung zum Tesla-Diskurs etwa belegt, dass Social-Media-Buzz und Stimmung rund um Tesla-Aktien nicht nur Tesla selbst, sondern sogar Wettbewerber wie BYD oder NIO beeinflussen können. Die öffentliche Debatte zu einem Unternehmen strahlt auf ganze Branchenportfolios aus.
Eine weitere Arbeit hat am Beispiel des VW-Dieselskandals analysiert, wie Twitter-Sentiment und Börsenkurs in der Krisenphase zusammenhingen. Je negativer der Ton im Netz, desto stärker die Kursreaktionen – Reputation wurde zur messbaren Schnittstelle zwischen öffentlicher Empörung und finanzieller Bewertung.
In der Kommunikationsforschung ist inzwischen von einem „Social-Media-Conundrum“ in Krisen die Rede: Unternehmen nutzen Social Media einerseits aktiv, um ihre Sichtweise zu platzieren, verschärfen aber andererseits durch jede Kommunikation das Rauschen, in dem sie gehört werden wollen. Schweigen kann als Schuldeingeständnis gelesen werden, defensive Statements als „PR-Geschwurbel“, aggressive Gegenangriffe als Machtmissbrauch.
In der Beratungspraxis bedeutet das: Wer in einem Shitstorm auftritt wie ein Anwalt, der die Gegenseite anbrüllt, verliert. Wer hingegen wirkt wie ein Gastgeber, der die eskalierte Situation ernst nimmt, Grenzen setzt und Lösungen anbietet, hat eine Chance, aus der Krise Reputation zu gewinnen. Bausch spricht in diesem Zusammenhang von „Shitstorm-Architektur“ – Krisen sind heute weniger ein einmaliger Knall als vielmehr ein Test, ob die Organisation verstanden hat, wie digitale Öffentlichkeit funktioniert.
Filterblasen, Echokammern – und doch kein Gefängnis
Der Begriff „Filterblase“ klingt so, als sitze jeder Nutzer in einer abgedichteten Informationskapsel. Die Realität ist komplexer, aber für die Reputation nicht weniger heikel. Die Forschung zeigt, dass Social-Media-Algorithmen insbesondere Inhalte zeigen, die wir von Menschen sehen, denen wir folgen, oder die uns ähnlich sind. Sie nutzen menschliche Lernmechanismen, wir orientieren uns an Peers, an Vorbildern, an Gruppen und übersetzen diese in algorithmische Empfehlungen.
Das führt nicht automatisch zu geschlossenen Informationswelten, aber doch zu Mikro-Öffentlichkeiten mit jeweils eigenen Normen. Ein und derselbe Vorfall, etwa ein umstrittenes Werbemotiv oder ein politisches Statement eines CEOs, kann in einem progressiven Instagram-Umfeld als mutige Positionierung gefeiert und gleichzeitig in konservativeren Facebook-Gruppen als „Woke-Wahnsinn“ verhöhnt werden.
Für Unternehmen bedeutet das: Es gibt keine „öffentliche Meinung“ mehr, sondern viele parallele Resonanzräume. Reputationsmanagement ist deshalb nicht die Kunst, alle glücklich zu machen, sondern die Kunst, die eigenen Kernzielgruppen zu verstehen und klar zu entscheiden, in welchen Räumen man wie sichtbar sein will. Die Illusion, man könne allen gefallen, zerbricht im Social-Media-Stresstest schneller als jede Hochglanzbroschüre.
Europa schlägt zurück – der Digital Services Act als neuer Rahmen
Die EU hat erkannt, dass ungezügelte Plattformlogiken nicht nur individuelle Reputationen, sondern auch gesellschaftliche Prozesse destabilisieren können. Mit dem Digital Services Act (DSA) ist 2024/2025 ein Rechtsrahmen in Kraft getreten, der große Plattformen zu systematischen Risikoanalysen, mehr Transparenz und besserem Schutz vor Desinformation, Hassrede und manipulativen Designs verpflichtet.
Im Herbst 2025 folgte die erste große Machtdemonstration: Die Europäische Kommission verhängte ein Bußgeld von 120 Millionen Euro gegen X, weil die Plattform gegen mehrere DSA-Pflichten verstieß, darunter ein irreführendes Verifikationssystem mit den blauen Häkchen, mangelnde Transparenz in der Werbebibliothek und die Behinderung unabhängiger Forschung.
Das Signal ist deutlich: Europa betrachtet Social Media nicht mehr als nette Start-up-Spielwiese, sondern als kritische Infrastruktur für Demokratie, Wirtschaft und öffentliche Sicherheit. Plattformen sollen künftig nicht nur auf individuelle Beschwerden reagieren, sondern systemische Reputationsrisiken erkennen und eindämmen, etwa koordinierte Desinformationskampagnen, automatisierte Hasswellen oder massenhaft gestreute Falschbewertungen.
Für Unternehmen, Organisationen und Persönlichkeiten entsteht damit ein neues Spielfeld: Wer Reputation schützen will, kann sich nicht mehr allein auf „Community Management“ verlassen, sondern muss das Zusammenspiel von Plattformregeln, nationalem Recht (Persönlichkeitsrecht, Wettbewerbsrecht, Strafrecht) und europäischen Vorgaben verstehen. Das Recht wird zum Hebel, der die wildesten Auswüchse des digitalen Sturms bändigen soll, auch wenn die Praxis noch Jahre benötigen wird, um die neuen Instrumente voll auszuschöpfen.
Reputation in der Logik der Plattform – und was ABOWI daraus macht
Wenn man die Forschungslage zusammenfasst, zeigt sich ein klares Muster: Social Media beschleunigt, verstärkt und vervielfacht Reputationsereignisse. Nutzer verbringen im globalen Durchschnitt mehr als zwei Stunden täglich in sozialen Netzwerken, in einigen Regionen deutlich mehr. Online-Reviews, Kommentare und Social-Media-Sentiment beeinflussen Kaufverhalten, Markentreue und Krisenreaktionen nachweislich. Algorithmen bevorzugen emotional aufgeladenen und polarisierenden Content, wenngleich Nutzer sich dadurch schlechter fühlen.
Für eine Organisation heißt das: Reputation entsteht heute nicht mehr hauptsächlich im abgeschlossenen Meetingraum, sondern in einer dauernd laufenden Simulation vor Publikum. Jede Antwort, jede Beschwerde, jeder Witz kann zum Reputationsereignis werden.
Genau an dieser Stelle setzen der Ansatz von Maximilian Bausch und ABOWI Reputation an. Aus der Perspektive eines Wirtschaftsingenieurs betrachtet Bausch Social Media nicht nur als „Kanal“, sondern als dynamisches System mit Input (Content), Verstärkung (Algorithmus) und Output (Reaktion, Bewertungen, Medienberichte, Zahlen). Reputationsberatung wird damit zu einer Art Systemsteuerung: Welche Inhalte setzen welche Signale? Wie reagiert die Plattformlogik? Und wie lässt sich das Ganze so orchestrieren, dass nicht nur der nächste Shitstorm überlebt, sondern langfristig Vertrauen aufgebaut wird?
Die Kunst besteht darin, wissenschaftliche Erkenntnisse von Algorithmusstudien bis zu Krisenanalysen in konkrete Entscheidungen zu übersetzen. Soll ein Unternehmen in einer eskalierenden Debatte sofort auf TikTok reagieren oder erst einmal Fakten auf der Website klären? Soll eine umstrittene Kampagne kommentarlos beendet oder offensiv erklärt werden? Soll man bei ungerechtfertigten Angriffen eher juristisch oder kommunikativ nach vorn gehen?
Bausch und andere Reputationsprofis arbeiten an dieser Schnittstelle zwischen Daten, Psychologie, Recht und Storytelling. Ihr Ziel ist nicht, Social Media „unter Kontrolle“ zu bringen, das ist illusorisch, sondern Unternehmen und Personen so zu positionieren, dass sie auch im Sturm erkennbar bleiben: als Akteure mit Haltung, Werten und einem nachvollziehbaren Umgang mit Fehlern.
Social Media wird auch in den nächsten Jahren ein Ort bleiben, an dem Likes, Shitstorms und Filterblasen aufeinandertreffen. Doch wer versteht, wie diese Mechanismen funktionieren, wer Forschung, Recht und strategische Kommunikation zusammendenkt, muss dem Sturm nicht ausgeliefert sein. Er kann ihn nutzen – als Rückenwind für eine Reputation, die nicht nur laut, sondern belastbar ist.
Autorin: Jutta Schulte
Über die Autorin:
Jutta Schulte ist seit 2011 auf digitales Reputationsmanagement spezialisiert. Als Content-Expertin und Bloggerin spricht sie genau die Sprache anspruchsvoller Leser, Unternehmerinnen, Unternehmer und Visionäre: klar, präzise und zugleich wirkungsstark. Sie übersetzt komplexe Themen in verständliche, seriöse Inhalte, die Vertrauen schaffen und Positionierung schärfen. Mit ihrem feinen Gespür für Tonalität, Wirkung und strategische Ausrichtung unterstützt sie das Team von ABOWI dabei, Marken, Personen und Ideen im digitalen Raum messbar sichtbar zu machen.
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Firmenbeschreibung ABOWI Reputation:
ABOWI Reputation mit Sitz in Vilnius, Litauen, ist die Strategiewerkstatt für Ihren guten Namen im digitalen Zeitalter. Wir verbinden jurische Präzision, datengetriebenes Monitoring und kluge Content-Strategie, um Marken, Unternehmer und Persönlichkeiten sichtbar zu machen, vor Angriffen zu schützen und langfristig Vertrauen in messbares Wachstum zu verwandeln.


